Dienstag, 11. Januar 2011

[Kreativ gesehen] 4 - Der einsilbige Blick


Dieses Thema lag schon länger in der Schublade. Nur manchmal fehlen auch mir Worte. Deshalb nun [kreativ gesehen] Nummer 4 mit etwas Verspätung:

Der einsilbige Blick

"Wow!" - Klick - "Boah!" - Klick - "Cool!" - Klickklickklick - wir fotografieren oft aus Begeisterung. Nur beim späteren betrachten der Bilder folgt die Ernüchterung. Irgendwie wirkt das alles nicht so schön, wie wir es erlebt haben. Glaubt ihr nicht? Na, dann erinnert euch einfach mal an die langweiligen Dia-Abende bei Onkel Fritz. Tante vor Eiffelturm, Tante vor Gondel, Tante vor schiefem Turm usw. Ich bin sicher die beiden hatten einen tollen Urlaub und sind auf einer Wolke der Begeisterung geschwebt.

Emotionen beim Fotografieren

Und genau da liegt die Tücke. Unsere Begeisterung verengt leider auch unseren Blick. Wir nehmen nur das schöne wahr und blenden alles andere aus. Zu Hause schlägt dann die Stunde der Wahrheit. Ups, was ist den da im Hintergrund? Und warum staunen die anderen nicht über meine Bilder?

Wahrnehmung ist mehr als Sehen. Wir erleben mit allen Sinnen. Ein Foto aber bedient nur unser Sehen. Lärm, Wind, Musik, Freudenjubel, Kälte, Wärme - all' das können wir hören und fühlen. Dem zweidimensionalen Bild fehlen diese Informationen.

Symbole nutzen

Wir müssen also Dinge sichtbar machen. Und deren Auswirkungen sind meist sichtbar. Grashalme, Korn oder Bäume wiegen sich im Wind. Ein kühles Bier läßt das Glas aussen beschlagen. Eine heiße Suppe dampft. Solche Symbole kennen wir zu hauf, wir müssen sie nur einsetzen. Werbefotografen wissen darum und täuschen uns nur zu oft. Die feinen Tröpfchen am Glas kommen aus der Sprühflasche und der Dampf der schon längst kalten Suppe wird am Rechner dazumontiert.

Aber bleiben wir mal bei der Wahrheit. Entspannung im Urlaub, schmerzende Füße nach einer Wanderung, die Hitze unter der brennenden Sonne - mit Gesten lässt sich auch das ins Bild bringen. Der Berg ist hoch? Die Treppe lang? Der Käfer riesig? Ein Maßstab muß her. Ein Mensch oder ein bekannter Gegenstand rücken die Größenverhältnisse ins rechte Licht und die "Ah" und "Oh" beim zeigen der Bilder snd sicher.